Italienisch lernen — häufige Fragen
23 Fragen, die beim Englischlernen wirklich gestellt werden, mit Antworten, die für sich stehen. Wo es ausführlicher wird, steht der Verweis darunter — nicht statt der Antwort.
Anfangen
Wo man beginnt, wie lange es dauert, was die Stufen bedeuten.
Wie fange ich an, Italienisch zu lernen?
Mit vier Dingen gleichzeitig, nicht nacheinander: den beiden Hilfsverben essere und avere, den drei Endungssätzen der Gegenwart, den ersten paar hundert Wörtern, und dem lauten Nachsprechen ganzer Sätze. Die Reihenfolge ist wichtig, weil die erste Entscheidung des Italienischen schon im ersten Satz über die Vergangenheit fällt: Manche Verben bilden sie mit essere, die meisten mit avere, und wer das überspringt, wirft von da an bei jedem Satz eine Münze. Der Anfängerweg dieser Seite hat sechs Schritte und ist genau darum herum gebaut.
Ist Italienisch leichter als Spanisch?
Für einen deutschen Sprecher am Anfang ähnlich, in der Mitte schwerer, am Ende gleich. Ähnlich ist der Einstieg: dieselbe Verbstruktur, dieselben drei Konjugationen, dieselbe klare Aussprache. Schwerer ist die Mitte, und zwar an drei Stellen. Das Italienische bildet den Plural nicht mit -s, sondern durch einen Endungswechsel — il libro wird zu i libri, la casa zu le case —, und damit ändert sich auch der Artikel. Es hat sieben bestimmte Artikel statt vier. Und es verschmilzt seine Präpositionen mit dem Artikel zu einem Wort, ausnahmslos: di + il ist del, und di il gibt es nicht. Am Ende gleicht es sich wieder an, denn beide Sprachen haben denselben Konjunktiv.
Was bedeuten A1, A2, B1, B2, C1 und C2?
Es sind sechs Stufen einer europäischen Skala, von den ersten Sätzen (A1) bis zur mühelosen Beherrschung (C2). Die Buchstaben sind frei benutzbar; die ausformulierten amtlichen Beschreibungen dazu stehen unter Urheberrecht und werden auf dieser Seite bewusst nicht wiedergegeben. Was hier stattdessen steht, ist die eigene Einteilung des Stoffes, und ihr Maßstab ist ausgeschrieben: Gefragt ist nicht, wie schwer ein Wort ist, sondern ab wann man ohne es nicht weiterkommt. la nonna ist ein langes Wort und steht auf A1, weil jeder eine hat.
Wie lange dauert es, bis ich Italienisch sprechen kann?
Das hängt davon ab, was „sprechen können" heißen soll. Für einen Satz, den ein Kellner versteht, reichen zwei Wochen und zweihundert Wörter. Für ein Gespräch, das nicht nach Sätzen aus einem Kurs klingt, braucht es die Vergangenheit, die Pronomen und ungefähr zweitausend Wörter — bei einer halben Stunde am Tag sind das ungefähr acht bis zwölf Monate. Für den Punkt, an dem eine italienische Zeitung ohne Wörterbuch lesbar ist, noch einmal so lange. Diese Zahlen sind die Erfahrung dieses Projekts und keine Studie; jeder Anbieter, der Ihnen eine genauere nennt, weiß etwas, was niemand wissen kann.
Muss ich Latein können, um Italienisch zu lernen?
Nein, und es hilft weniger, als alle behaupten. Was Latein bringt, ist Wortschatz zum Wiedererkennen — tempus steckt in tempo, aqua in acqua. Was es nicht bringt, ist die Grammatik: Das Italienische hat die Fälle abgeschafft und dafür Artikel und Präpositionen eingeführt, es hat Zeiten, die es im Lateinischen nicht gab, und eine Wortstellung, die mit der lateinischen nichts zu tun hat. Wer Latein kann, versteht schneller, was er liest, und spricht keinen Tag früher.
Grammatik
Die Unterscheidungen, an denen es für deutsche Sprecher am häufigsten hängt.
Wann nehme ich essere und wann avere in der Vergangenheit?
Die kurze Regel: essere bei Verben der Bewegung und der Zustandsänderung, avere bei allem anderen. Sono andato, sono arrivata, è nato — aber ho mangiato, ho letto, ho dormito. Der entscheidende Unterschied zum Deutschen ist nicht die Regel, sondern die Folge: Mit essere richtet sich das Partizip nach dem Subjekt, also sono andata für eine Frau und siamo andati für eine Gruppe. Mit avere bleibt es unverändert. Alle reflexiven Verben nehmen essere, ohne Ausnahme.
Was ist der Unterschied zwischen passato prossimo und imperfetto?
Nicht wie lange etwas gedauert hat, sondern ob es einen Rahmen bildet oder etwas darin geschieht. Das imperfetto zeichnet die Kulisse: wie es aussah, was gewöhnlich war, was gerade im Gange war. Das passato prossimo setzt die Ereignisse hinein. Pioveva e sono uscito — es regnete (Rahmen), und ich ging hinaus (Ereignis). Beide Sätze wären mit vertauschten Zeiten grammatisch richtig und würden etwas anderes erzählen. Das Deutsche unterscheidet das gar nicht, und genau deshalb ist es die Stelle, an der es am längsten hängt.
Wann brauche ich den Congiuntivo wirklich?
Nach einer bestimmten Sorte Hauptsatz, und nur dann. Verlangt wird er nach Ausdrücken des Wollens, Zweifelns, Fürchtens und Meinens mit che: voglio che tu venga, penso che sia vero, benché sia tardi. Was er nicht ist: eine Höflichkeitsform oder etwas, das einen Satz gebildeter macht. Und was viele überrascht: Im gesprochenen Italienisch verschwindet er im Norden zunehmend, im Schriftlichen ist er unverzichtbar. Wer ihn nicht setzt, wird verstanden; wer ihn falsch setzt, auch. Das ist der Grund, warum er auf dieser Seite spät kommt und nicht früh.
Warum heißt es mi piace und nicht io piaccio?
Weil piacere nicht „mögen" heißt, sondern „gefallen". Subjekt ist das, was gefällt, und die Person steht im Dativ: mi piace il libro ist wörtlich „mir gefällt das Buch". Daraus folgt die Falle, die deutsche Sprecher jahrelang stellen: Bei einer Mehrzahl ändert sich das Verb, nicht die Person. Mi piacciono i libri. Und io piaccio gibt es — es heißt „ich gefalle" und ist etwas ganz anderes.
Warum gibt es sieben bestimmte Artikel im Italienischen?
Weil der Artikel sich nicht nur nach Geschlecht und Zahl richtet, sondern auch nach dem Laut, der auf ihn folgt. Männlich Einzahl ist il, vor s + Konsonant, z, gn, ps aber lo, und vor einem Vokal l'. In der Mehrzahl werden daraus i und gli. Weiblich ist es einfacher: la, l', le. Die Regel ist keine Willkür, sondern Aussprache — il studente ließe drei Konsonanten aufeinander stoßen, lo studente nicht.
Was ist der Unterschied zwischen ne und ci?
Beide ersetzen etwas, das schon gesagt wurde, und sie ersetzen Verschiedenes. Ne steht für di plus etwas oder für eine Menge davon: Quante mele vuoi? Ne voglio due. — davon will ich zwei. Ci steht für einen Ort oder für a plus etwas: Vai a Roma? Sì, ci vado. — dahin fahre ich. Im Deutschen fällt beides einfach weg, und deshalb vergisst man beides. Ein italienischer Satz ohne sie klingt nicht falsch, sondern unvollständig.
Muss ich das Subjektpronomen mitschreiben?
Nein, und meistens sollte man es nicht. Die Verbendung sagt schon, wer gemeint ist: parlo kann nur „ich spreche" heißen. Io parlo ist deshalb nicht falsch, sondern betont — „ich spreche, im Gegensatz zu ihm". Wer aus dem Deutschen kommt, setzt es aus Gewohnheit überall hin und betont damit unabsichtlich jeden zweiten Satz. Gesetzt wird es bei Gegensatz, bei Nachdruck und dort, wo die Form mehrdeutig ist — im congiuntivo etwa sind drei Personen gleich.
Wortschatz
Wie viele Wörter, welche zuerst, und welche Ähnlichkeit trügt.
Wie viele italienische Wörter brauche ich?
Für den Alltag ungefähr zweitausend, für eine Zeitung ungefähr achttausend, für einen Roman mehr. Die Zahl allein sagt aber wenig, weil die ersten tausend Wörter den weitaus größeren Teil jedes gewöhnlichen Textes abdecken und die letzten tausend fast nichts. Deshalb ist die Reihenfolge wichtiger als die Menge: Wer die dreihundert häufigsten Verben kann, versteht mehr als jemand mit dreitausend zufälligen Wörtern.
Welche italienischen Wörter sehen aus wie deutsche und heißen etwas anderes?
La firma ist die Unterschrift, nicht die Firma. Il camerino ist die Umkleidekabine, nicht das Kämmerchen. Morbido heißt weich und nicht morbide. Il confetto ist eine Zuckermandel und nicht das Konfekt. La rata ist die Rate, und il ratto ist die Ratte — ein Buchstabe. Diese Wörter sind gefährlicher als unbekannte, weil man bei ihnen nicht nachschlägt.
Was ist der Unterschied zwischen buono und bravo?
Buono ist gut im Sinne von gut beschaffen oder gutmütig: gutes Essen, ein guter Mensch. Bravo ist gut im Sinne von tüchtig, also können: un bravo medico ist ein guter Arzt, weil er sein Handwerk versteht, un buon medico eher, weil er freundlich ist. Wer bravo nur als Zuruf im Theater kennt, benutzt es zu selten; im Italienischen ist es ein Alltagswort.
Wie merke ich mir, ob ein Wort männlich oder weiblich ist?
An der Endung, und die trägt weiter als im Deutschen. -o ist fast immer männlich, -a fast immer weiblich, und Wörter auf -e muss man lernen. Die Ausnahmen sind wenige und dafür häufig: die griechischen Wörter auf -ma sind männlich (il problema, il tema), und la mano, la foto, la moto, la radio sind weiblich trotz ihrer Endung. Die drei letzten sind Kurzformen von fotografia, motocicletta und radiofonia, und darum haben sie das Geschlecht des langen Wortes behalten.
Aussprache und Regionen
Welches Italienisch man lernt — und ob das eine Entscheidung ist.
Welches Italienisch lerne ich hier?
Das italiano standard, also die Sprache der Zeitungen, des Fernsehens und der Schule — im Kern die toskanische Aussprache ohne ihre örtlichen Eigenheiten. Das ist keine Wertung: Es ist die Fassung, die überall verstanden wird und in der jeder Text geschrieben ist. Was diese Seite nicht lehrt, sind die Regionalsprachen — Neapolitanisch, Sizilianisch, Venezianisch und die übrigen sind keine Dialekte des Italienischen im deutschen Sinn, sondern eigene romanische Sprachen mit eigener Literatur.
Wie spreche ich ce, ci, che, chi aus?
Die Regel ist eine einzige und gilt für c und g gleichermaßen: Vor e und i werden sie weich, sonst hart. cena ist „tschena", casa ist „kasa". Das h ist der Schalter, der das rückgängig macht: che ist „ke", chi ist „ki". Umgekehrt macht ein eingeschobenes i ein hartes c weich — ciao ist „tschao", und das i wird nicht mitgesprochen.
Sind die Doppelkonsonanten wirklich so wichtig?
Ja, und sie sind die einzige italienische Aussprachefrage, bei der ein Fehler das Wort wechselt. Nono ist der neunte, nonno der Großvater. Casa ist das Haus, cassa die Kasse. Pena ist die Strafe, penna der Stift. Ein deutscher Sprecher hört den Unterschied zunächst nicht, weil das Deutsche Doppelkonsonanten schreibt und nicht spricht — im Italienischen wird der Konsonant wirklich länger gehalten, und das ist hörbar.
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